Nickel hat bereits in niedriger Dosierung Effekte sowohl in der Haut als auch nach Aufnahme durch die Lunge oder im Körper. Weil Nickel in seinen Verbindungen nachgewiesenermaßen krebserregend ist, sind die Grenzwerte sehr niedrig gesetzt, sowohl für den Arbeitsplatz als auch für Verbraucher und Verbraucherinnen.
Verteilung und Wirkung im Körper
Metallisches Nickel oder auch metallische Nickelpartikel sind für den Organismus biologisch weniger verfügbar als ionische Nickelverbindungen (z.B. Nickeloxid NiO oder Nickelchlorid NiCl
2). Nickel wirkt aber im Körper erst, wenn es als Ion (Ni
2+) aus dem Material oder Molekül herausgelöst wird. Dies geschieht aus metallischem Material sehr viel langsamer bzw. schlechter als aus seinen Verbindungen, in denen das Nickel bereits ionisch vorliegt, wie z.B. im Nickeloxid (NiO). Nickeloxid wird auch sehr häufig als
Nanopartikel verwendet und ist somit ein wichtiges Ausgangsmaterial für toxikologische Studien. Wird Nickel als Salz eingesetzt (Nickelchlorid) ist es gut löslich und steht als Ion zur Verfügung. Eine vergleichende Studie an Hamstern konnte zeigen, dass Nickelchlorid auf die Haut aufgetragen in den Körper gelangt und dort verteilt und über den Urin ausgeschieden wird
. Dies geschieht aber erheblich langsamer im Vergleich zu intramuskulär injiziertem Nickelchlorid, das innerhalb von 24 h zum großen Teil ausgeschieden wurde. Obwohl die grundsätzliche Aussage zu Aufnahme und Verteilung von Nickel im Organismus stimmig ist, hat diese frühe Studie eine Reihe von methodischen Mängeln.
Eine andere beispielhafte Studie zu NiO-Nanopartikeln wurde 20 Jahre später durchgeführt und ergab prinzipiell ähnliche Ergebnisse
. Die den Ratten oral verabreichten NiO-Partikel wurden in den Organismus aufgenommen und verteilten sich in den Organen. Wie schon für andere
Nanopartikel gezeigt werden konnte, reichern sich die Nickeloxidpartikel vor allem in der Leber an. Jedoch zeigten auch andere Organe wie die Niere und die Milz deutlich erhöhte Werte für NiO nach 24 h. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass bei hohen
Konzentrationen bereits nach kurzer Zeit DNA-Schäden in der Leber und den Nieren nachgewiesen werden konnten. Ähnliche Effekte durch verschiedene Nickelverbindungen (Ni
3S
2, NiO, NiCl
2 und NiSO
4) konnten schon recht früh auch bei Arbeitern in einer Nickelfabrik festgestellt werden
. Die Luft am Arbeitsplatz war damals mit mehr als 1 mg/m
3 belastet und es konnten vermehrt DNA-Strangbrüche nachgewiesen werden. Das deckt sich mit späteren Studien, in denen ebenfalls an hoch belasteten Arbeitsplätzen eine erhöhte Frequenz für Mikrokerne (ein Effekt, der auf DNA-Schädigung hindeutet) und DNA-Strangbrüche bei den Mitarbeitern auftrat
. In einem sehr guten Übersichtsartikel wurden diese und viele weitere Studien zur Wirkung von Nickeloxiden auf Tier und Zellen zusammengefasst
. Nach Inhalation von NiO- und Ni(OH)
2-Partikeln wurden in Ratten und Mäusen immer entzündliche Prozesse und
oxidativer Stress nachgewiesen. Weiterhin wurden nachfolgend auch
systemische Effekte in anderen Organen wie Leber, Niere, Milz u.a. beobachtet. Die gleichen Effekte gab es nach Injektion in die Bauchhöhle oder auch nach oraler Aufnahme, was bedeutet, dass Nickel, über alle Wege aufgenommen, ähnliche Wirkungen zeigt. Besonders schwerwiegend sind allerdings immer die begleitenden genotoxischen Effekte, durch die auch die krebsauslösende Wirkung erklärt werden kann.
Aufnahme und Wirkung in Zellen
Die Aufnahme von Nickel in seinen Verbindungen wurde umfassend schon vor einigen Jahren beschrieben und zusammengefasst
. In diesem Artikel werden viele Studien aufgeführt, die sowohl die Aufnahme unterschiedlicher Nickelverbindungen und Partikel gezeigt haben, als auch die intrazelluläre Umwandlung der Partikel in gelöste Ni-Ionen in den
Lysosomen beschrieben haben. Die Tatsache, dass sowohl metallisches als auch oxidisches Nickel in
Lysosomen aufgelöst werden können, wurde durch eine Arbeitsgruppe in Schweden nachgewiesen
. Metallische Nano- oder Mikropartikel als auch NiO-Nanopartikel lösten sich in künstlicher lysosomaler Flüssigkeit auf, die metallischen sogar zu fast 100% nach 24 h. Die gelösten Nickel-Ionen können dann in der Zelle mit unterschiedlichen Molekülen und im Zellkern auch mit der DNA interagieren. Dabei ist eine wichtige Reaktion die Hemmung der Reparatur von DNA-Schäden, die in verschiedenen Zellen nachgewiesen wurde
. Die gute Aufnahme in den Organismus und in die Zellen unterschiedlicher Organe, die schnelle Auflösung auch von schwerlöslichen Partikeln in den Lysosomen der Zellen und die Interaktion mit Proteinen (Kontaktallergie) und DNA und deren Reparaturmechanismen (Krebsinduktion) macht Nickel zu einem potenziellen Risiko am Arbeitsplatz und auch für Verbraucher und Verbraucherinnen, die ausreichend hohen
Konzentrationen von Nickel ausgesetzt sind.
Nickel ist ein toxisches Metall, das in seinen Verbindungen krebsauslösend ist und auf der Haut zu Kontaktallergien führt. Aus diesem Grund sind für Nickel und seine Verbindungen sehr niedrige Grenzwerte festgelegt worden, um Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen als auch Verbraucher und Verbraucherinnen zu schützen.